Vernichtende Bewertung für die GoPro Karma


Mit rund einem halben Jahr Verzögerung soll die GoPro Karma jetzt auch in Deutschland abheben. Die Konkurrenz – insbesondere die kompakte DJI Mavic Pro – wird es dem Neuling nicht leicht machen, der von Anfang an mit Problemen zu kämpfen hatte: Der Akku erzwang einen frühzeitigen Geräterückruf, noch bevor die Drohne deutschen Boden erreicht hatte. Und damit nicht genug: Der Test zeigt, dass GoPro die Zeit offenbar nicht genutzt hat.

GoPro Karma
Die Karma hinkt schon auf dem Datenblatt der Konkurrenz hinterher. Andere Drohnen machen das Fliegen mit immer mehr Sensoren sicherer und einfacher, die
DJI Mavic Pro bietet sogar eine Gestensteuerung. Doch die GoPro hat weder Kollisionssensoren noch Ultraschall zur Positionsbestimmung oder eine Tracking-Funktion, um automatisch etwa dem Piloten zu folgen. Für Einsteiger gibt es lediglich eine Simulation, die die Drohne nebst Fernbedienung („Controller“) erläutert und den Piloten virtuell üben lässt. Wie wenig das später in der Flugpraxis hilft, sollte sich im weiteren Testverlauf zeigen.

Karma Bewewrtung

Drohne im Baukasten-Prinzip
Weil GoPro mit Action-Cams groß wurde, verfolgt der Hersteller mit der Karma einen interessanten und durchaus nachvollziehbaren Ansatz: Während die meisten anderen Quadcopter eine fest verbaute Kamera haben, kommt an der Karma die bewährte Action-Cam Hero5 oder Hero4 zum Einsatz. Wenn die Drohne Pause hat, lässt sich die Kamera mitsamt der bildstabilisierenden Halterung (Gimbal) abnehmen und auf einen mitgelieferten Handgriff (Karma Grip) montieren. So genügt Actionfans eine einzige Kamera für Luft- und Bodenaufnahmen. Die Idee ist nicht schlecht, hat aber auch einen Nachteil: Die Action-Cam ist vergleichsweise groß und schwer. Beim Kalibrieren der Kamera schlägt sie je nach Untergrund fast auf dem Boden auf und beim Landen bekommt die Drohne schnell Übergewicht nach vorne. Zwar ist die Karma wie auch die Mavic Pro faltbar, mit fast 1.900 Gramm fällt sie aber sehr schwer aus. Bei der Bildqualität zeigt sich aber die langjährige Erfahrung des Herstellers im Action-Cam-Bereich: Die an der Drohne angebrachte GoPro Hero5 Black lieferte satte Farben und eine gewohnt gute Schärfe.

Dicker Controller mit tiefen Sticks
Eher schwer ist auch die Fernsteuerung, die aber gut in der Hand liegt und sehr übersichtlich ist. Hier gibt es einen Knopf zum Anschalten des Controllers, einen für den Start der Rotoren und zwei Joysticks für die Steuerung. Nach Druck auf den „Come Home“-Knopf fliegt die Karma zurück zum Piloten. Die Sticks liegen tief im Gehäuse, sodass die Bedienung fast nur von oben möglich ist. Besonders feinfühlige Piloten steuern ihre Drohne jedoch gerne, indem sie beispielsweise einen Stick mit Daumen und Zeigefinger umfassen. Bei mehreren Flugversuchen reagierte die Karma zudem etwas träge auf Eingaben über den Joystick.

GoPro-Karma-Drohne-Koffer

GoPro Karma: Test-Flug mit Enttäuschungen
Die Erwartungen vor dem Flug waren hoch, wirbt GoPro doch unter anderem mit dem Slogan „Leicht zu fliegen“. Aber schon mit dem ersten Abheben war klar: Die Drohne von GoPro ist noch längst nicht ausgereift. So funktionierte beim ersten Versuch der Autostart nur teilweise, mal hob die Karma ab, mal gingen die Motoren wieder aus. Zudem konnte die Drohne ihre Position im Schwebeflug nicht halten. Ließ der Pilot die Joysticks los, sank sie langsam nach unten, anstatt wie üblich an Ort und Stelle stehen zu bleiben. Es ist unverständlich, dass GoPro das nicht in den Griff bekommen hat. Ein zweites Testgerät sollte deshalb Klarheit bringen. Das neue Modell startete zuverlässig, hatte aber erneut Probleme, seine Position in der Luft einigermaßen exakt zu halten. Mitten im Flug auf freier Fläche verlor das zweite Modell außerdem mehrfach das GPS-Signal und war nur mit Mühe zurückzuholen. So verlieren unerfahrene Piloten schnell das Vertrauen zur Drohne. Und auch die Flugzeit konnte im Test nicht ganz überzeugen. Der Akku, der im Flug auch die Action-Cam mit Strom versorgt, machte nach 15 Minuten schlapp. Ob der Action-Cam-Akku vor dem Flug aufgeladen ist oder nicht, spielt beim rund 20-mal größeren Drohnen-Akku keine Rolle.

GoPro Karma: Preis und Passenger-App
Eine sehr clevere Funktion der Karma ist da nur ein schwacher Trost. Mit der sogenannten Passenger-App (kostenlos in den App Stores) können bis zu drei Personen mit ihren Smartphones oder Tablets den Live-Stream der Drohne betrachten. So entfällt die Rudelbildung um den Steuermann und seinen Controller. Und wer schon eine GoPro-Action-Cam hat, kann die Karma auch ohne Kamera für rund 1.000 Euro bestellen (kompatibel ab Hero4).

Fazit: Mieses Karma
Der Spaß bleibt mit der Karma am Boden. Fällt das GPS während des Flugs aus, bekommen Anfänger schnell Probleme. Deshalb hat sich
COMPUTER BILD entschieden, die Drohne aufgrund der mangelnden Flugsicherheit abzuwerten. Da kann selbst die gute Bildqualität der im Set mitgelieferten GoPro Hero5 Black nichts mehr reißen. Die Drohne braucht erneut ein Update – dringend!

Quelle:computerbild.de

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